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Ayurveda im TageslaufGewohnheiten der Tradition, nach Uhrzeit

Warme Getränke von früh bis spät

Warmes Wasser am Morgen, Ingwerwasser am Vormittag, Chai am Nachmittag, Milch am Abend

Wer sich mit dem ayurvedischen Tageslauf beschäftigt, stößt schnell auf eine Eigenheit: Fast alles, was getrunken wird, ist warm. Vom ersten Glas Wasser am Morgen bis zur letzten Tasse Milch am Abend zieht sich eine Reihe von Getränken durch den Tag, jedes mit seiner Uhrzeit.

Warum warm

Die Vorliebe für warme Getränke hat in der Tradition einen festen Platz. Die Texte beschreiben kalte Getränke als etwas, das man eher meidet, vor allem zum Essen und am Morgen. Eiswasser, wie es in vielen Ländern zum Essen gereicht wird, kommt in der ayurvedischen Küche praktisch nicht vor. Getrunken wird, was aus dem Kessel kommt, oder Wasser, das in einem Tonkrug auf Zimmertemperatur steht.

Im Alltag hat das einen angenehmen Nebeneffekt: Ein warmes Getränk trinkt man langsamer. Man setzt sich hin, hält den Becher mit beiden Händen, wartet, bis er die richtige Temperatur hat. Das macht aus jedem Glas eine kleine Pause. Wie viel man über den Tag trinkt, bleibt dabei eine Frage von Durst, Wetter und Bewegung; allgemeine Richtwerte der Verbraucherzentralen sind unten verlinkt.

Uhr
Getränk
Zubereitung
06:30
Warmes Wasser
Wasser aufkochen, auf Trinktemperatur abkühlen lassen
08:00
Tee zum Frühstück
Schwarztee oder Kräutertee, ohne Eile
10:30
Ingwerwasser
drei Scheiben Ingwer in einer Kanne heißem Wasser, zehn Minuten ziehen lassen
12:30
Wenig, warm, zum Essen
ein kleines Glas warmes Wasser, in Schlucken
13:30
Lassi oder Buttermilch
Joghurt mit Wasser verquirlt, Prise Kreuzkümmel, nur mittags
15:30
Chai
Tee, Milch, Gewürze, zusammen gekocht
19:00
Gewürzmilch
Milch mit Kurkuma, Kardamom, Zimt

Das erste Glas

Das warme Wasser am Morgen ist die einfachste und zugleich bekannteste Gewohnheit des ayurvedischen Tages. Es wird nicht heiß getrunken, sondern trinkwarm, im Sitzen und langsam. Manche Familien kochen dafür am Abend einen Kessel ab und lassen ihn über Nacht in einem Kupfergefäß stehen; am Morgen wird das Wasser leicht angewärmt. Andere mischen einfach heißes Wasser aus dem Wasserkocher mit kaltem aus der Leitung.

Ein Spritzer Zitrone oder eine Scheibe Ingwer ist erlaubt, aber nicht nötig. Honig im warmen Wasser ist in manchen Gegenden üblich, kommt aber erst hinein, wenn das Wasser deutlich abgekühlt ist. Warum die Tradition beim Honig so vorsichtig mit Hitze ist, erklärt die Seite über Honig in der Tradition.

Ingwerwasser und Kräutertee

Über den Vormittag trinken viele Menschen, die sich am ayurvedischen Tageslauf orientieren, warmes Wasser aus einer Thermoskanne. Wer etwas mehr Geschmack möchte, gibt ein paar Scheiben frischen Ingwer hinein. Für eine Kanne mit einem Liter reichen drei bis vier dünne Scheiben. Je länger der Ingwer zieht, desto schärfer wird das Wasser.

Auch Aufgüsse aus Fenchel, Koriander und Kreuzkümmel sind in Indien verbreitet, oft zu gleichen Teilen gemischt. Dafür je einen halben Teelöffel der ganzen Samen in einer Tasse mit kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Der Geschmack ist mild, leicht süßlich und erinnert an Brot. Getrocknete Kräuter und Samen gehören in gut schließende Gläser, dann behalten sie ihr Aroma über Monate.

Das Gefäß

In der Überlieferung spielt auch das Gefäß eine Rolle, aus dem getrunken wird. Wasser wurde in Krügen aus Ton aufbewahrt, die es durch Verdunstung kühl halten, oder in Gefäßen aus Kupfer und Messing. Tee und Milch kamen in Becher aus Ton, Metall oder Glas. Kunststoff kennt die Tradition naturgemäß nicht.

Wer einen Hauch davon in den Alltag holen möchte, braucht keine besonderen Anschaffungen. Ein Becher, den man gern in der Hand hält, ein schlichtes Glas für das Wasser am Morgen, eine Kanne, die auf dem Schreibtisch steht. Viele Menschen merken, dass sie aus einem bestimmten Becher lieber und langsamer trinken als aus dem nächstbesten, und das allein verändert die Gewohnheit schon.

Zum Essen und danach

Zum Mittagessen trinkt man in der Tradition nur wenig, und zwar in kleinen Schlucken während der Mahlzeit, nicht ein großes Glas davor oder danach. Eine Ausnahme bildet die Buttermilch, die im Süden Indiens nach dem Mittagessen gereicht wird: Joghurt, mit der dreifachen Menge Wasser verquirlt, mit einer Prise Salz, geröstetem Kreuzkümmel und manchmal frischem Koriander. Sie ist das einzige Getränk des Tages, das kühl getrunken wird, und auch das nur mittags.

Süßes Lassi mit Mango oder Rosenwasser kennen viele aus indischen Restaurants. In der Haushaltsküche ist es eher etwas für besondere Tage, nicht für jeden Mittag.

Chai und die Tasse am Abend

Der Nachmittag gehört in Indien dem Chai, dem mit Milch und Gewürzen gekochten Tee. Er hat eine eigene Seite, auf der auch ein Rezept steht: der Nachmittag mit Chai und Pause. Wer abends kein Koffein mehr möchte, lässt den Tee weg und kocht nur Milch mit den Gewürzen.

Am Abend steht die Gewürzmilch, die hierzulande als Goldene Milch bekannt ist. Kurkuma, Ingwer, Kardamom und Zimt werden kurz in Milch oder einem Pflanzendrink aufgekocht, gesüßt wird erst in der Tasse. Das Rezept steht auf der Seite über den Abend.

Damit es zur Gewohnheit wird

Gewohnheiten halten, wenn sie wenig Aufwand machen. Für warme Getränke heißt das vor allem: das Werkzeug in Reichweite haben. Ein Wasserkocher, eine Thermoskanne für den Schreibtisch, ein Glas mit Ingwer im Kühlschrank, ein kleiner Topf, der nur für Milch verwendet wird. Wer morgens schon die Kanne füllt, trinkt über den Vormittag wie von selbst.

Und wer an einem heißen Tag lieber ein Glas kühles Wasser trinkt, tut damit nichts Falsches. Auch die Tradition kennt Ausnahmen, und ihre Regeln sind für ein Land geschrieben, in dem die Tage meist warm sind.

Zum Nachlesen: Verbraucherzentrale: Wie viel trinken am Tag? · Stiftung Warentest: Fragen rund um Tee

Die Uhrzeiten auf dieser Seite sind Richtwerte aus der Überlieferung. Jeder Tag hat seine eigenen Pflichten, und kein Wecker klingelt bei allen zur selben Zeit.