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Ayurveda im TageslaufGewohnheiten der Tradition, nach Uhrzeit

Der Nachmittag: Chai und eine Pause

Von der Mittagsruhe bis zum frühen Abend

Nach der Hauptmahlzeit wird der Tag in der Tradition leichter und beweglicher. Der Nachmittag ist die Zeit für Gespräche, kleine Wege und eine Tasse Chai. Er hat seine eigenen Gewohnheiten, die mit dem Leistungsknick um drei Uhr erstaunlich gut zusammenpassen.

Nach dem Essen: kurz ruhen, nicht schlafen

Die alten Texte sind beim Mittagsschlaf zurückhaltend. Für Kinder, für sehr alte Menschen und an sehr heißen Tagen ist er erlaubt, für alle anderen eher nicht. Stattdessen empfehlen sie, nach dem Essen eine Weile ruhig zu sitzen oder auf der linken Seite zu liegen, ohne einzuschlafen, und danach die schon erwähnten hundert Schritte zu gehen.

Die Begründung bleibt in der Bildsprache der Lehre: Wer sich mit vollem Bauch hinlegt, nimmt die Schwere des Kapha in den Nachmittag mit. Praktisch gelesen ist das eine Warnung vor dem Mittagsschlaf, aus dem man benommen aufwacht. Zehn Minuten mit geschlossenen Augen auf einem Stuhl sind etwas anderes als eine Stunde im Bett.

Der bewegliche Abschnitt

Ab etwa vierzehn Uhr beginnt auf dem Zifferblatt der Vata-Abschnitt, der bis etwa achtzehn Uhr dauert. Vata steht in der Lehre für Bewegung, Luft und Leichtigkeit. Die Tradition ordnet diesem Teil des Tages deshalb Tätigkeiten zu, die mit Beweglichkeit zu tun haben: Gespräche, Unterricht, Musik, kreative Arbeit, Wege in die Stadt.

Wer die Begriffe beiseitelässt, findet hier eine brauchbare Faustregel für die Planung. Die Aufgaben, die Ruhe und Urteilskraft brauchen, liegen am Vormittag. Die Aufgaben, die vom Austausch leben, passen in den Nachmittag: Besprechungen, Telefonate, Rückfragen, ein Gang zur Post. Wer sich um drei Uhr müde fühlt, braucht oft keinen Kaffee, sondern einen Ortswechsel.

Chai

In Indien gehört zum Nachmittag fast überall ein Becher Chai. Gemeint ist schwarzer Tee, der mit Milch, Zucker und Gewürzen zusammen gekocht wird. Auf der Straße wird er in kleinen Tonbechern ausgeschenkt, die man nach dem Trinken zerbricht oder zurückgibt, zu Hause in Gläsern oder Tassen. Jede Familie hat ihre eigene Mischung, und über die richtige Menge Ingwer lässt sich lange streiten.

Der Chai ist kein Rezept aus den klassischen Texten, sondern eine Gewohnheit der letzten hundertfünfzig Jahre, seit der Tee in Indien angebaut wird. Er passt aber gut in das Bild, das die Tradition vom Nachmittag zeichnet: etwas Warmes, etwas Würziges, eine Pause im Stehen oder Sitzen, oft mit anderen.

Masala Chai für zwei Becher

10 Minuten · 1 kleiner Topf · auch mit Hafer- oder Sojadrink

  • 250 ml Wasser
  • 250 ml Milch oder Pflanzendrink
  • 2 TL schwarzer Tee, lose (Assam)
  • 2 cm frischer Ingwer, gerieben
  • 3 Kardamomkapseln, angedrückt
  • 2 Gewürznelken
  • 1 kleines Stück Zimtstange
  • 2 TL Zucker oder Jaggery, nach Geschmack
  1. Wasser mit Ingwer, Kardamom, Nelken und Zimt aufkochen und drei Minuten sprudelnd kochen lassen.
  2. Den Tee dazugeben und eine Minute mitkochen. Er soll kräftig werden, aber nicht bitter.
  3. Milch und Zucker hineingeben und alles noch einmal aufwallen lassen. Dabei am Topf bleiben, Milch kocht schnell über.
  4. Durch ein feines Sieb in die Becher gießen und heiß trinken.

Wer Koffein am Nachmittag lieber meidet, nimmt Rooibos statt Schwarztee oder lässt den Tee ganz weg. Dann bleibt eine würzige Ingwermilch, die manchen sogar besser schmeckt. Mehr über warme Getränke über den ganzen Tag steht auf der Seite Warme Getränke von früh bis spät.

Ein kleiner Bissen

Zum Chai gibt es in vielen Haushalten etwas Kleines: ein paar geröstete Kichererbsen, eine Handvoll Nüsse, einen Keks. Die Tradition ist hier nachsichtiger als am Vormittag, solange die Menge klein bleibt und das Abendessen nicht verdrängt. Frittierte Snacks, die an indischen Straßenständen ebenfalls zum Chai gehören, sind eher die Ausnahme für besondere Tage.

Hierzulande liegt um diese Uhrzeit oft der Kuchen auf dem Tisch. Ein Stück am Wochenende verträgt sich gut mit dem Rhythmus. Werktags reicht meist ein Apfel oder eine Scheibe Brot, damit der Hunger bis zum frühen Abendessen trägt.

Ein Gang nach draußen

Die Texte empfehlen für den Nachmittag Bewegung, die leicht bleibt: ein Gang in den Garten, ein Weg in die Stadt, ein Besuch bei Nachbarn. Anstrengende Übungen gehören in der Überlieferung eher in den frühen Morgen. Am Nachmittag soll man sich bewegen, ohne außer Atem zu kommen.

Im Büroalltag lässt sich das in kleine Stücke teilen. Ein Telefonat im Gehen statt am Schreibtisch, der Weg zur Kollegin im anderen Stockwerk über die Treppe, ein Umweg nach Feierabend durch den Park. Wer zu Hause arbeitet, kann die Chai-Pause mit einem kurzen Gang um den Block verbinden: Wasser aufsetzen, Schuhe an, zehn Minuten draußen, dann den Tee kochen. Das Tageslicht am Nachmittag ist dabei ein Gewinn für sich, gerade an den Tagen, an denen es früh dunkel wird. Kinder kennen diesen Abschnitt des Tages ohnehin am besten: Nach der Schule wird gespielt, gerannt, gestritten und wieder vertragen.

Zwei Stunden Arbeit, dann der Übergang

Der späte Nachmittag ist in der Überlieferung die Zeit, den Tag abzuschließen. Die Arbeit wird geordnet, das Werkzeug weggeräumt, das Haus vorbereitet. Um den Sonnenuntergang folgt in vielen Familien ein kurzer Moment der Andacht: eine Lampe wird angezündet, ein Gebet gesprochen, manchmal nur ein paar Minuten Stille.

Für einen Büroalltag lässt sich daraus ein schlichtes Ritual machen. Zehn Minuten vor Feierabend den Schreibtisch aufräumen, die Aufgabe für den nächsten Morgen notieren, den Rechner herunterfahren. Der Weg nach Hause wird dann zum Übergang in den ruhigeren Teil des Tages. Wie dieser Teil aussieht, steht auf der Seite über den Abend mit früher, leichter Mahlzeit.

Zum Nachlesen: Stiftung Warentest: Fragen rund um Tee · BZfE: Milch

Die Uhrzeiten auf dieser Seite sind Richtwerte aus der Überlieferung. Jeder Tag hat seine eigenen Pflichten, und kein Wecker klingelt bei allen zur selben Zeit.