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Ayurveda im TageslaufGewohnheiten der Tradition, nach Uhrzeit

Honig in der Tradition: nur trinkwarm, nie gekocht

Madhu in der Überlieferung: kalt genossen, sparsam verwendet, von Bienen gesammelt

Honig heißt im Sanskrit Madhu, und er gehört zu den ältesten Lebensmitteln, die in den indischen Texten erwähnt werden. Die Überlieferung behandelt ihn mit auffälliger Vorsicht. Eine Regel steht dabei über allen anderen: Honig wird nicht gekocht.

Die Regel vom kalten Honig

In kaum einem Punkt sind die klassischen ayurvedischen Texte so deutlich wie beim Honig. Er soll nicht erhitzt, nicht gekocht und nicht mit heißen Speisen vermischt werden. Erhitzter Honig gilt in der Überlieferung als ungeeignet zum Essen, und diese Einschätzung hat sich bis in die heutige Haushaltsküche erhalten. In indischen Familien wird Honig deshalb nicht zum Backen verwendet und nicht in kochendes Wasser gerührt.

Für die Küche ergibt sich daraus eine einfache Handhabung. Honig kommt immer zuletzt: in den Tee, wenn er trinkwarm ist, in die Milch, wenn sie in der Tasse steht, über den Brei, wenn er schon auf dem Tisch ist. Als Faustregel dient der Finger: Was man anfassen kann, ohne zurückzuzucken, verträgt den Honig. Wer backen oder kochen will, nimmt Rohrzucker oder Jaggery.

Wann Honig vorkommt

Im Tageslauf taucht Honig an zwei Stellen auf. Am Morgen rühren manche Familien einen Teelöffel in ein Glas lauwarmes Wasser, manchmal mit einem Spritzer Zitrone. Am Abend süßt er die Gewürzmilch, die hierzulande als Goldene Milch bekannt ist; das Rezept steht auf der Seite über den Abend. Dazwischen begegnet er in kleinen Mengen: über Joghurt, auf einem Fladenbrot, in einer Schale mit Obst.

Uhr
Nach der Tradition
Im Alltag
06:45
Ein Teelöffel Honig in lauwarmem Wasser
Glas Wasser aus dem Wasserkocher, abgekühlt, dann Honig
07:15
Honig über dem fertigen Brei
Haferbrei vom Herd nehmen, kurz warten, dann süßen
13:30
Ein Löffel zu Joghurt oder Obst
Joghurt mit Honig als Nachtisch, statt Kuchen
19:00
Honig in der Gewürzmilch, erst in der Tasse
Milch abgießen, eine Minute warten, dann einrühren

Gemeinsam ist allen diesen Stellen, dass die Menge klein bleibt. Die Texte behandeln Honig nicht als Grundnahrungsmittel, sondern als etwas Kostbares, das man löffelweise verwendet. Das passt zu seiner Herkunft. In der Zeit, aus der die Texte stammen, wurde Honig nicht von Imkern geerntet, sondern von Honigsammlern in Wäldern und Felsen gesucht, oft unter Lebensgefahr.

Acht Sorten Honig

Die klassischen Lehrtexte unterscheiden mehrere Arten von Honig, meist acht, und zwar nicht nach Blüten, sondern nach den Bienen, die ihn sammeln. Es gibt den Honig großer Felsenbienen, die ihre Waben offen an Felsen und hohen Bäumen bauen, den Honig kleiner Bienen, die in Baumhöhlen leben, und den Honig von Insekten, die man heute gar nicht mehr zu den Honigbienen zählt. Jede Sorte hat in den Texten einen eigenen Namen, eine eigene Farbe und einen eigenen Geschmack.

Für den heutigen Einkauf hat diese Einteilung kaum Bedeutung. Sie zeigt aber, wie genau die Menschen damals hingesehen haben: wer den Honig sammelt, wo die Waben hängen, wie er sich in der Hand anfühlt. Dieselbe Aufmerksamkeit lässt sich auch hier üben, wenn man nicht irgendein Glas aus dem Regal nimmt, sondern auf Herkunft und Sorte achtet.

Alter Honig, neuer Honig

Die Texte unterscheiden auch zwischen frischem und altem Honig. Frisch geernteter Honig gilt als süßer und schwerer, Honig, der ein Jahr oder länger gelagert wurde, als leichter und herber. In manchen Familien wird ein Glas bewusst aufbewahrt und erst nach Monaten geöffnet, ähnlich wie man hierzulande einen Wein liegen lässt.

In der Küche bemerkt man den Unterschied vor allem am Geschmack. Junger Blütenhonig ist mild und hell, älterer wird dunkler und kräftiger, und fast jeder Honig wird mit der Zeit fest. Dicht verschlossen, kühl und dunkel gelagert hält sich Honig sehr lange; er nimmt allerdings leicht Gerüche aus der Umgebung an und gehört deshalb nicht neben die Gewürzdose.

Bienen und Wachs

Honig ist nur das bekannteste Erzeugnis der Bienen. In der indischen Überlieferung spielt auch das Wachs eine Rolle, vor allem bei Lampen und Kerzen für die Abendandacht. Daneben stehen bis heute die kleinen Öllampen mit Ghee oder Sesamöl. Wer abends nach dem Vorbild der Tradition das Deckenlicht ausschaltet, kann eine Bienenwachskerze anzünden: Sie brennt ruhig, rußt wenig und riecht leicht nach Honig.

Wer sich für die Arbeit hinter dem Glas interessiert, findet viel Lesenswertes über das Leben der Bienen im Stock und über die Frage, wie ein Volk durch das Jahr kommt. Ein Glas Honig steht für tausende Flüge, und diese Vorstellung passt gut zu der Sorgfalt, mit der die Texte den Honig behandeln.

Beim Einkauf

Honig aus dem Supermarkt ist oft eine Mischung aus verschiedenen Ländern. Die Angabe auf dem Etikett ist dann manchmal sehr allgemein. Verbraucherschützer raten, auf eine klare Herkunftsangabe zu achten. Honig aus einer Imkerei in der Region hat den Vorteil, dass man fragen kann, wo die Bienen stehen und was in der Umgebung blüht.

Fester, cremiger Honig ist nicht schlechter als flüssiger. Fast jeder Honig kristallisiert mit der Zeit, je nach Sorte schneller oder langsamer. Wer ihn wieder flüssig haben möchte, stellt das Glas in ein lauwarmes Wasserbad, nicht in die Mikrowelle. Auch hier gilt die alte Regel: so wenig Wärme wie möglich.

Für Säuglinge nicht geeignet: Honig ist für Kinder im ersten Lebensjahr nicht geeignet, darauf weisen Behörden und Verbraucherstellen ausdrücklich hin. Das gilt für jede Sorte und jede Herkunft.

Mehr über die Getränke, in denen Honig im Tageslauf landet, steht auf der Seite über warme Getränke von früh bis spät.

Zum Nachlesen: Verbraucherzentrale: Honig

Die Uhrzeiten auf dieser Seite sind Richtwerte aus der Überlieferung. Jeder Tag hat seine eigenen Pflichten, und kein Wecker klingelt bei allen zur selben Zeit.